Warum Huck Finn nicht süchtig wurde

Das Twain-Modell
Baseler Zeitung , 23.09.1993

Ein Buch für Eltern, deren Kinder sich noch nicht oder noch im Gefahrenbereich befinden. Und für Erzieher. Und vielleicht doch auch für Halbwüchsige. die schon ein bisschen lesen gelernt haben. Die hier bedachte Form einer Suchtprophylaxe ist literarischen Ursprungs. Mark Twains Huckleberry Finn war ein Faulpelz, verwahrlost, ein Herumtreiber, sein Vater war Alkoholiker. Weshalb kam Huck nicht unter die Räder? Der Psychoanalytiker Eckhard Schiffer hat eine Theorie, die so einleuchtend ist, dass wir sie alle schon zu kennen glauben. Er fordert für Kinder und Jugendliche Freiräume ohne krankmachende Normen, Regeln und Anpassungsdruck, in denen die Phantasiekräfte sich zu entfalten. Gemütskräfte sich zu entwickeln vermögen. Es ist. sozusagen, das Plädoyer für den verwahrlosten Hinterhausgarten gegen den schick herausgeputzten Rasen samt Betreten verboten. Lerngewinne aus abgeschlossenen Fallgeschichten erhärten die Forderungen nach Abwehr der öffentlichen Zeit- und Phantasietotschläger. Der Autor wird ganz schön massiv bei der Benennung der Suchtursachen und ganz schön praktisch mit Vorschlägen zu ihrer Bekämpfung - bis zur Einrichtung eines Kinderzimmers.

Wer das Prinzip begriffen hat, hat schon beinahe alles begriffen. Im Grunde ist es ganz einfach. Der Rest ist Hilfestellung. Man muss sie nur zulassen. Ein auszuzeichnendes Buch.

Schiffer, E.: "Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde.
Anstiftung gegen Sucht und Selbstzerstörung bei Kindern und Jugendlichen."
1999 Beltz Verlag, Weinheim.Basel
152 Seiten, Euro 10
ISBN 3-407-22004-9

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