Lernfreude und Erfolg jenseits von Richtlinien

Neues Buch von Dr. Eckhard und Heidrun Schiffer
Von Elisabeth Gadeberg

Quakenbrück

Lehrer und Schüler leiden aneinander. Genau genommen leiden sie an den Erwartungshaltungen, die sie aneinander haben, die die Gesellschaft an beide hat. Das macht sie krank - Kinder und Erwachsene, Lehrer wie Schüler. Welche Prozesse Gesundheit und Lernen förderlich, welche beidem abträglich sind, haben Dr. Eckhard und Heidrun Schiffer in ihrem neuen Buch beschrieben: "LernGesundheit - Lebensfreude und Lernfreude in der Schule und anderswo".
In einer zunehmend auf Leistung und Kosten-Nutzen-Denken hin orientierten Gesellschaft, in der auch Lehrer und Schüler (wie Ärzte und Patienten) auf Funktionen beschränkt werden - Leistungserbringer und Leistungsnehmer - plädieren sie

-Auch angesichts von Pisa sehr lesenswert-

für eine andere "Sicht-Weise", schreiben sie der persönlichen Beziehung von Lehrendem und Lernendem die entscheidende Bedeutung zu: Positive Wahrnehmung - sich gegenseitig verstärkend - als wirksames Mittel gegen Beschämung und Entwertung, als unverzichtbarer Beitrag zur Entwicklung von Identität und Kohärenzgefühl nach Aaron Antonövsky: Beides wesentlich für das Lernen aus eigener Motivation, aus sich heraus.
Diese "intrinsische Motivation" (zum Beispiel laufen zu lernen) ist, wie das Buch sehr anschaulich beschreibt, jedem Kind in die Wiege gelegt und wird verstärkt durch die positive Rückmeldung der Eltern, beginnend beim "Lächeldialog" von Mutter (oder Vater) und Baby und dem schöpferischen Spiel des Kindes, das den jungen Menschen hinführt zu dem vom Miteinander bestimmten "Fairplay", im Gegensatz zu dem von Konkurrenzdenken geprägten "Match".
An Beispielen aus schulischer und ärztlich-therapeutischer Praxis zeigen die Autoren, auf welche Weise und mit welchen Mitteln dieser Weg fortgesetzt werden kann, um Gesundheit und Freude am Lernen langfristig zu erhalten und zu fördern, etwa durch eine frühe soziale und ästhetische Erziehung. Sie zeigen aber auch, welche Mechanismen einen solch positiven Prozess behindern oder sogar unmöglich machen, Fernsehkonsum rangiert hier an vorderster Stelle.
Es mag Zweifler geben - jene vielleicht, die aus den Resultaten der PISA-Studie den Schluss ziehen, noch mehr Leistung und, damit verbunden, noch mehr Druck, könnten den Wandel bringen. Die aktuellen Ergebnisse der Säuglingsforschung und der Neurowissenschaften, die in das Buch einfließen, belehren solche Diener der "Grauen Herren" eines Besseren. Sie belegen nämlich, wissenschaftlich nachprüfbar, das Fazit, das die Autoren ziehen: "Wer gut spielen und jemandem davon erzählen kann, der ihm aufmerksam zuhört, der hat die besten Aussichten, Lebens- wie Lernfreude zu entwickeln... Die Begeisterung füreinander und das Lernen in den dialogischen Lernbeziehungen zwischen Mutter und Kind bleiben als Begeisterungsfähigkeit grundsätzlich lebendig. Für deren Freisetzung gibt es aber keine Richtlinien. Nur Freiräume." Der Appell an Eltern, Lehrer, an alle, die mit Kindern zu tun haben: Sich hineinwagen in diese Freiräume und immer wieder dialogisch-spielerische Begegnung probieren.

Zur Person von Dr. Eckhard und Heidrun Schiffer

Was hat Lernen mit Gesundheit zu tun? Dieser Frage gehen Dr. Eckhard und Heidrun Schiffer in ihrem neuen Buch nach: ?LernGesundheit - Lebensfreude und Lernfreude in der Schule und anderswo". Das Buch, es umfasst 212 Seiten, ist erschienen im Beltz-Verlag und in den Buchhandlungen für 14,90 Euro erhältlich (ISBN 3 407 22154 1). Beide Autoren kommen aus der Praxis: Dr. Eckhard Schiffer ist Chefarzt der Abteilung für psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik am Christlichen Krankenhaus. Er ist analytisch orientierter Psychotherapeut und hat außerdem ein philosophisches Studium absolviert. Seine Frau Heidrun ist Grundschullehrerin und engagiert sich besonders für einen kreativen Kunstunterricht, der die schöpferische Kraft jedes einzelnen Kindes mit berücksichtigt.
Von Dr. Eckhard Schiffer sind im Beltz-Verlag bereits folgende Bücher erschienen: ?Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde - Anstiftung gegen Sucht und Selbstzerstörung bei Kindern und Jugendlichen", ?Warum Hieronymus B. keine Hexe verbrannte - Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen erkennen - Gewalt vorbeugen", ?Der kleine Prinz in Las Vegas" - Mit spielerischer Intelligenz den Herausforderungen unserer Zeit begegnen, ?Wie Gesundheit entsteht - Salutogenese: Schatzsuche stajt Fehlerfahndung" und zusammen mit Heidrun Schiffer ?Nachdenken über Zappelphilipp - ADS: Beweg-Gründe und Hilfen". Ihr neues Buch, in dem sich die Autoren auch kritisch mit der Hochbegabtendiskussion auseinandersetzen, wollen beide nicht verstanden wissen als einen von vielen Ratgebern zum Thema Lernstörungen. Sie wollen keine Tipps geben für Situation A oder B. Sie sehen ihr Buch vielmehr als grundlegende Ergänzung.

Eckhard Schiffer und Heidrun Schiffer
"LernGesundheit"
2004 Beltz Verlag
212 Seiten, Euro 14,90
ISBN: 3407221541

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