Schatzsuche

Eckhard Schiffer: Wie Gesundheit entsteht. Salutogenese: Schatzsuche statt Fehlerfahndung. Beltz Verlag, Weinheim 2001. 184 Seiten, 12,90 EUR.

Im Unterschied zur Schrift von Rüdiger Lorenz enthält Eckhard Schiffers Buch eine leicht lesbare, "populäre" Darstellung des Themas Salutogenese. Es ist mit Humor und künstlerischem Sinn geschrieben - ohne deswegen ungenau zu sein. Schiffer bezieht Geschichten aus "Tausendundeine Nacht", "Pu der Bär" oder den Roman "Die Pest" von Albert Camus in seine Darstellung ein und verdeutlicht das Kohärenzgefühl des Menschen anhand der Biografie von Joan Miro und "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust. Besondere Betonung erhält die Kunst, Geschichten, beispielsweise die eigene Lebensgeschichte zu erzählen. Der Autor macht sich stark für das Vorlesen oder Erzählen von Geschichten gegenüber Kindern, denn sie können daraus wichtige Lebenskräfte beziehen. Dem Erzählen von Geschichten eignet eine zusammenhangbildende Kraft, die den Menschen darin fördert, "das eigene Leben vor dem Auseinanderfallen zu bewahren, etwas Wertvolles in sich selbst zu entdecken." Außerdem beschreibt Schiffer besonders eingehend die salutogenetische Bedeutung von Dialog und Spiel.

Corinna Gleide

Patient Schule

Eckhard Schiffer / Heidrun Schiffer: LernGesundheit. Lebensfreude und Lernfreude in der Schule und anderswo. Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 2004. 212 Seiten, 14,90 EUR.

Nach dem Urteil der Autoren sind nicht nur die Schüler, sondern auch viele Lehrer krank. In dem Buch "Der Patient Schule" wurde dieser Gedanke von Eckhard Schiffer eingehender diskutiert. Auch nach PISA und Erfurt, so die Autoren im vorliegenden Buch, findet die Therapie durch Verbesserung der Kontrollen, durch Qualitätssicherung, Erarbeitung von Leitlinien und Profile für Transparenz, Vergleichbarkeit und Effektivität statt; aber in der Pädagogik, wie auch in der Medizin, sei etwas völlig aus dem Blick geraten, nämlich die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler bzw. zwischen Arzt und Patient. Das Buch untersucht verschiedene Fragestellungen und Themenkomplexe im Umfeld von Beziehungshaftigkeit beginnend im Frühkindalter, so z.B. den verbalen und nonverbalen Dialog, die Rolle der Anerkennung und Wahrnehmung von Kindern für die Herausbildung eines gesunden Selbstempfindens sowie das Entstehen von Selbst- und Weltbezug durch das Erzählen und Vorlesen von Märchen und Geschichten. Bezugspunkt der Darstellung ist der von Antonovsky entwickelte Begriff des Kohärenzgefühls; die Autoren stellen einen Zusammenhang her zwischen der Kohärenzempfindung und der aus dem Innern kommenden (intrinsischen) Lernmotivation. Sie gehen der Frage nach, wie die oben genannten dialogischen Anteile im Umgang mit Kindern das intrinsische Vermögen entwickeln helfen können.

Corinna Gleide

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